Das starke Wachstum von Patria und Wärtsilä sowie die für die Westküste Finnlands geplanten umfangreichen Industrieinvestitionen werden in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Zulieferleistungen steigern.

Die Botschaft von Tommi Svensk von Patria und Juha Päivike von Wärtsilä an die KMU, die zur Netzwerkveranstaltung „Zulieferwesen und Versorgungssicherheit“ in Kaustinen gekommen waren, war klar: Jetzt ist es an der Zeit, zu investieren, zu wachsen und das Know-how zu stärken, damit KMU die wachsenden Chancen im Bereich der Zulieferung nutzen können.

Tommi Svensk, der für den Geschäftsbereich „Protected Mobility“ bei Patria verantwortlich ist, ermutigte Unternehmen, die Chancen zu nutzen, die die rasch wachsenden Beschaffungsvolumina im europäischen Verteidigungsbereich für finnische KMU bieten. Dieses Wachstum spiegelt sich im Umsatz von Patria wider, der sich seit 2020 mehr als verdoppelt hat und im vergangenen Jahr die Marke von einer Milliarde Euro überschritten hat. Treibende Kraft hinter dem Wachstum des Unternehmens ist insbesondere das 6x6-Panzerfahrzeug von Patria, um das herum das multinationale CAVS-Projekt aufgebaut wurde, das sich auf mehrere europäische Länder ausgeweitet hat. Dazu gehören unter anderem Lettland, Deutschland, Schweden, Dänemark und Norwegen.


– Die Verteidigungsausgaben der EU-Länder beliefen sich im vergangenen Jahr schätzungsweise auf rund 381 Milliarden Euro, und das noch bevorstehende Wachstum ist geradezu gewaltig. Europa hat die Vorsorge vernachlässigt, und nun wird dort investiert. In diesem Spiel muss man dabei sein, und Patria ist dort stark vertreten. Im Hinblick auf die Vorsorge ist es äußerst positiv, dass Europa seine Beschaffungen bündelt. Was könnte sinnvoller sein, als dass alle über die gleiche Grundausrüstung verfügen, was unter anderem die Ausbildung der Truppen erleichtert, sagte Tommi Svensk.


Das Wachstum zeigt sich im Zulieferernetzwerk von Patria. Das Unternehmen hat seine gesamten eigenen Produktionskapazitäten ausgeschöpft und stärkt seine Lieferfähigkeit mithilfe von Partnern. So erhöht beispielsweise die mit Valmet Automotive eingeleitete Zusammenarbeit die Kapazitäten in der Fahrzeugproduktion. Mit Etteplan hat Patria seine Zusammenarbeit erheblich vertieft, indem es ein neues, auf die Verteidigungsindustrie ausgerichtetes Kompetenzzentrum gegründet hat. Der Technologietransfer ist ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells von Patria. Dabei überträgt Patria beispielsweise sein Know-how in den Bereichen Wartung und Entwicklung seiner gepanzerten Fahrzeuge an die lokale Industrie oder an Partner im Zielland.

 

Die 6x6-Fahrzeuge von Patria werden künftig im Werk von Valmet Automotive in Uusikaupunki hergestellt. Bild: Patria.


– Für unser Lieferantennetzwerk hat der Technologietransfer erhebliche neue Möglichkeiten eröffnet, da die Lieferanten nun direkt in das neue Zielland liefern und dort ihre eigenen Geschäftsbeziehungen aufbauen können. Der Rest ist Marktwirtschaft: Reichen die Fähigkeiten des Zulieferers aus, und sind beispielsweise Qualität, Liefertreue und Kostenwettbewerbsfähigkeit gegeben?“, erklärte Svensk die Vorteile des Technologietransfers für Zulieferer.


– Wenn ein Unternehmen danach strebt, als Lieferant auf den internationalen Märkten Fuß zu fassen, sind Referenzen aus dem Inland von unschätzbarer Bedeutung. Wenn man von der Rüstungsindustrie spricht, sollte man bedenken, dass es sich dabei nicht unbedingt um Kampffahrzeuge handeln muss. Die hier erwähnten Betonelemente waren ein gutes Beispiel dafür, und ein großer Teil der Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen fällt ebenfalls unter die gewöhnliche Schwermetallindustrie.

„Der Technologietransfer hat unserem Lieferantennetzwerk erheblich neue Möglichkeiten eröffnet“, betonte Tommi Svensk von Patria.

 

Wärtsilä schätzt innovative Partnerschaften


Juha Päivike, bei Wärtsilä verantwortlich für Lieferketten und Fertigungsökosysteme, ermutigte die Unternehmen, mutig in die Zukunft zu blicken.


- Bei dieser Veranstaltung sprechen wir über die Perspektiven von Wärtsilä und Patria, aber wir haben noch viele andere Bereiche, in denen das Wachstum gerade erst in Gang kommt. Deshalb ist es für alle wichtig, eine auf Wachstum ausgerichtete Denkweise beizubehalten. Wenn man neben den Bedürfnissen unserer beiden Unternehmen auch die geplanten Industrieinvestitionen im Gebiet zwischen Rauma und Kokkola berücksichtigt, wird es in den nächsten fünf Jahren einen enormen Bedarf an Zulieferern geben.


– Jetzt ist der Moment gekommen, in dem ihr in euren Unternehmen ernsthaft über die strategische Ausrichtung nachdenken müsst, welche Schlüsselkompetenzen jeweils vorhanden sind, und euch dann auf deren Weiterentwicklung konzentrieren müsst. Wer jetzt nicht investiert und wächst, fällt aus dem Rennen, betonte Päivike. Ihrer Meinung nach ist von KMU auch Geduld gefragt, da ein neuer Kunde nicht unbedingt heute oder morgen vor der Tür steht. Langfristiges Denken und eine Mentalität der kontinuierlichen Verbesserung können sich jedoch sehr lohnen.


– Im Fall von Wärtsilä können wir gemeinsam Großes erreichen, wenn ein Zulieferer seine Kompetenzen mit Innovationskraft verbindet. Wir interessieren uns zunehmend dafür, wie wir gemeinsam mit unseren Partnern in den Bereichen Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten können. Normalerweise kommen die Dinge nur langsam in Gang, wenn Testreihen und Ähnliches durchgeführt werden, aber wenn wir mit einem Lieferanten die Vertragsphase erreichen, haben wir in der Regel bereits recht langjährige Partnerschaften aufgebaut. Gleichzeitig eröffnet dies oft auch Möglichkeiten in anderen Teilen der Welt, erklärte Juha Päivike. Wärtsilä stellt Lösungen und Anlagen für die Schifffahrt und die Energieerzeugung her. Im Mittelpunkt der Unternehmensaktivitäten steht die grüne Wende, zu der beispielsweise die Ermöglichung einer kohlenstoffarmen Schifffahrt sowie klimaneutrale Energiesysteme gehören.

 

Laut Juha Päivike strebt Wärtsilä langfristige Partnerschaften mit seinen Zulieferern an.

 

Der Metallcluster schafft die Voraussetzungen, um die Großprojekte von Patria und Wärtsilä zu bewältigen

– Durch „ Suurhanketoimisto“ haben die Großprojekte der Region mehr als 50 Unternehmen im Raum Kaustinen Arbeit beschert.

– Das 6x6-Projekt von Patria ist eines dieser Großprojekte, erklärt Markus Mäntynen, Projektleiter des Unternehmensverbundprojekts „Kasvun Pilarit“. Da ein einzelnes Unternehmen nicht über ausreichende Ressourcen verfügt, um größere Projekte zu bewältigen, haben wir für die Bedürfnisse von Patria und Wärtsilä den Metallcluster ins Leben gerufen. Am Metallcluster sind vier der stärksten Akteure ihrer Region und Branche beteiligt: Metalli Järvelä aus Kaustinen, Spezialist für 3D-Laserschneiden, Onsteel aus Karstula, ein mittelgroßer Maschinenbaubetrieb, Maarla aus Viitasaari, bekannt für die Blechbearbeitung, sowie VTmaalaus aus Vimpeli, Experte für Pulverbeschichtung.

– Egal, wie gut ein Unternehmen auch sein mag: Ein einzelnes KMU ist mit den Ausschreibungen von Firmen wie Patria und Wärtsilä überfordert. Die Größenordnung der anstehenden Projekte lässt sich daran erkennen, dass allein die Beantwortung der Ausschreibungen den monatlichen Arbeitsaufwand mehrerer Mitarbeiter erfordert. Zudem wird in Ausschreibungen immer häufiger die Einhaltung des NATO-Standards AQAP 2110 verlangt, erklärt Markus.

Die Kompetenzen der Unternehmen des Metallclusters ergänzen sich gegenseitig. Der Gesamtumsatz beträgt über 23 Millionen Euro, es gibt 175 Mitarbeiter und die Produktionsfläche beläuft sich auf 23.500 Quadratmeter. Es stehen Erweiterungskapazitäten von 10.000 Quadratmetern zur Verfügung. Von links: Visa Järvelä (Metalli Järvelä), Ville Rosti (Onsteel), Jari Puukilainen (Maarla), Sofia Stark (Maarla), Harri Piispanen (Onsteel) sowie Riku Lehto (VTmaalaus).

 


„KMU brauchen einander als Partner“


Themen rund um Zulieferung und Versorgungssicherheit lockten KMU auch aus anderen Regionen als den Ostfinnischen Provinzen und Mittelfinnland nach Kaustinen. Geschäftsführer Teemu Vastamäki vertrat das in Savonlinna ansässige Unternehmen Control Express Finland Oy. Das Unternehmen ist auf die mechanische Konstruktion von Feinblechprodukten und die Auftragsfertigung für die Industrie spezialisiert. Das seit über 30 Jahren bestehende Unternehmen beschäftigt 33 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von gut 5 Millionen Euro.


– Unsere Kunden kommen aus Finnland, aber der Markt für unsere Produkte ist global. Wie viele andere KMU sind auch wir vom Export abhängig. „Ich bin hier, um sowohl Patria als auch Wärtsilä unsere Tätigkeit vorzustellen, da ich davon überzeugt bin, dass wir über die Fähigkeiten und das Know-how verfügen, um beiden Unternehmen helfen zu können“, sagte Vastamäki. Als Beispiele nannte der Geschäftsführer Baugruppen für den Energiesektor sowie unter anderem Blechteile und Komponenten für die Verteidigungsindustrie, beispielsweise für die Fahrzeugproduktion.


– Für ein solches KMU ist es allein schwierig, bei großen Lieferaufträgen mitzumachen, das heißt, es werden Partner benötigt. Hier in Ostfinnland ist Savo Defence tätig, mit dessen Hilfe wir versuchen, das Interesse großer Unternehmen zu wecken, und über Savo Defence habe ich auch von dieser Veranstaltung erfahren. Aus den Vorträgen von Patria und Wärtsilä ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wie sie KMU dazu ermutigten, zu investieren und mutig neue Wege zu beschreiten, berichtete Vastamäki.

Laut Teemu Vastamäki, Geschäftsführer von Control Express Finland, benötigen KMU Partnerschaften, um an große Aufträge heranzukommen.

 

„Unsere Veranstaltung in Kaustinen war landesweit ausgerichtet“, erklärt Markus. Er war für die Koordination der Veranstaltung verantwortlich. Bei der Networking-Veranstaltung gab es gleichzeitig vier verschiedene Programmstränge: die Pitch-Veranstaltungen von Patria, Wärtsilä und dem Metallcluster sowie einen gemeinsamen Workshop des Zentrums für Versorgungssicherheit und Vertretern der Bauindustrie. Im Laufe des Tages wurden insgesamt 44 Pitches zwischen den Unternehmen koordiniert. Zu der Veranstaltung geladene Unternehmen trafen sich mit Vertretern von Patria und Wärtsilä sowie mit Vertretern des Metallclusters. „Es wären sogar noch mehr Teilnehmer gekommen, doppelt so viele“, berichtet Mäntynen über den großen Erfolg der Matchmaking-Veranstaltung. Die Organisation der Veranstaltung erforderte fünf Monate Vorbereitung, und vor Ort waren insgesamt 17 Personen an den Vorbereitungen beteiligt.

– Die Veranstaltung war ein großartiger Beweis für die Kompetenz der Region Kaustinen. Unsere Kooperationspartner haben Unternehmen aus ihren jeweiligen Branchen vor Ort vermittelt. Neben Savo Defence haben wir im Zusammenhang mit dem Tagesthema auch mit den Regionen JPYP, Härmä und Seinäjoki zusammengearbeitet. Unser Dank gilt sowohl unseren Mitarbeitern als auch allen Kooperationspartnern“, erklärt Mäntynen.

Aus der Region Kaustinen waren neben Metalli Järvelä auch die Aurolahti Group und Kovasat mit Präsentationen vertreten. Parallel zur Matchmaking-Veranstaltung fand unter der Leitung von Erkki Laide ein Workshop des Zentrums für Versorgungssicherheit statt, an dem zahlreiche Vertreter der Bauindustrie der Region 13 teilnahmen.

 

An dem Workshop des Zentrums für Versorgungssicherheit und der Bauindustrie nahm die Bauindustrie der Straße 13 teil. In der Mitte: Alisa Nykänen (PSL Nykänen) und Sakari Klemola (Klemolan Betoni).

 

Für die Region war der 6.10. ein „Superdienstag“ voller Seminare. Zeitgleich mit der Netzwerkveranstaltung „Zulieferwesen und Versorgungssicherheit“ organisierte die Region Kaustinen das Abschlussseminar der Biogas-Klinik, und am Abend fand im Volkskunstzentrum Kaustinen ein offenes Bürgerforum zu den Auswirkungen von Großprojekten unter dem Motto „Man darf reden“ statt.

– „Man kann sich daran ein Beispiel nehmen“, stellt Markus Mäntynen am Ende des Interviews zufrieden mit dem gelungenen Gesamtprogramm fest.

 

Die Netzwerkveranstaltung zum Thema „Zulieferwesen und Versorgungssicherheit“ fand am 6. Oktober 2026 im Volkskunstzentrum Kaustinen statt. Verantwortlich für die Organisation war das Unternehmensgruppenprojekt „Kasvun Pilarit“ (Säulen des Wachstums) der Region Kaustinen, dessen Projektleiter Markus Mäntynen ist. Das Projekt wird von den „Elinvoimakeskukset“ (Zentren für wirtschaftliche Vitalität) der drei Provinzen Ostrobothnien, Südostrobothnien und Mittelfinnland sowie von den teilnehmenden Unternehmen finanziert. Es gibt keine kommunale Finanzierung für das Projekt.

 


 

 

 

 


 

 

 

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